Transhumanismus – Nerdcore meets Biologie


Wo wir beim Thema Unsterblichkeit sind, stößt man zwangsläufig  auf eine Theorie, die nicht nur skurril klingt, sondern die Gemüter erhitzt und die Gesellschaft spaltet: Transhumanismus

Ich bin Transhumanist (kurze pause um den Sturm der Empörung abklingen zu lassen)

Transhumanismus wird zwischen Wissenschaft, Verschwöhrertum und Irrsin gehandelt, also ein Gesellschaftsbereich in dem man sich wiederfinden kann (SPOILER: Humor ist wenn …) Der Verschwöhrungsansatz kommt von der Meinung, die Leute, die Transhumanismus predigen, wollten sich die Welt zu eigen machen, indem sie Menschen dazu treiben, zu Arbeitsrobotern zu werden. (wozu muss denn da noch was ändern???) und ich will auch nicht behaupten, dass Irrsinn kein relativ weit verbreiteter Kulturansatz sei. Aber zum Großenteil liegt das Missverständnis in der Herangehensweise. Transhumanismus ist in ERSTER Linie kein Plan, sondern eine Erkenntnis, auf die man kommt, wenn man die aktuellen Entwicklungen weiter denkt und davon ausgeht, dass es Teil der menschlichen Natur ist, Dinge, die uns möglich sind, zwangsläufig früher oder später umzusetzen.

Ein Beispiel.

Vor einiger Zeit wurde das erste künstliche Auge entwickelt,, dass einem Blinden eingebaut werden konnte, damit er sehen kann. Das ist eine  tolle Entwicklung und jeder Kritiker möge bitte zu dem Blinden gehen und Ihm erklären, warum er trotz technischer Möglichkeit, auf das verzichten soll, was wir Alle genießen. Nur weil einige Angst davor haben? Angst vor Veränderungen gehört zu den Urinstinkten, die wir heutzutage besser Ablegen sollten. Sie machen das Leben nur anstrengender und erfolgloser und langweiliger und unwarscheinlicher ……
Zurück zu unserm Auge: Der ehemals Blinde sieht im Moment noch viel beschissener als wir es tun. Aber die Zeit arbeitet zu seinen Gunsten, weil Technologie sich ein paar Millionen mal schneller Entwickelt als Evolution. Das heisst, dass dieser Mensch in nicht mal zehn Jahren weiter, besser, schärfer sehen kann als wir und das auch noch im Dunkeln. Das denken wir jetzt mal weiter für unsere Ohren, Beine, Gehirn und-so-weiter.

Problem eins:
Erklären Sie ihrem Kind in zwanzig Jahren, warum es in der Schule als Krüppel gelten soll, weil es mit seinen biologischen Möglichkeiten auskommen soll und machen Sie sich klar, dass Ihr Kind sowieso drauf scheisst, sobald Sie unter der Erde liegen und es alt wird und NOCH schlechter sehen kann.

Problem zwei:
Erklären sie den Verwandten desjenigen, den Sie überfahren haben, weil der Straßenverkehr  Sie mit 500 kmh überfordert hat, weil Sie versucht haben an Ihm teil zu nehmen, obwohl Sie als biologisches Auslaufmodell unterwegs waren, warum Ihre Verantwortungslosigkeit NICHT Strafbar sein sollte
( denn so wird man das dann nennen)

Die Frage ist also nicht OB wir mit Maschinen eins werden, sondern warum wir es nicht werden sollten, b.z.w. warum man sich einbildet, wir könnten diese Entwicklung verhindern. Das klingt IRRE? Jawoll die Realität IST Irrre!
…. noch nicht gemerkt?

Der durchschnittliche Transhumanist unterscheidet sich von seinen Gegnern in zwei Dingen. Er sieht diese Entwicklung als Folge von unabwendbaren logischen Aneinanderreiungen dessen, was Menschen nun einmal machen und freut sich auf die neuen Features. Der Gegner konzentriert sich auf seine Angst und gibt dem Transhumanisten die Schuld, indem er Ihm unterstellt, einen Plan zu verfolgen. Ich habe einen Plan. Aber nicht für Euch sondern für MICH: super sehen, schnell rennen, lange leben, weit fliegen uns so weiter.  Wenn Ihr lieber  Angst habt, dann bleibt BIO, aber gebt mir nicht die Schuld, wen BIO hinterher scheisse ist, so alleine ….

Man kann die Diskussion also darauf reduzieren, auf einen Konflikt zwischen denen, die Veränderung verhindern wollen und denen, die sich auf die Veränderung freuen. Ratet mal wer in unserer Geschichte auf lange Sicht gewonnen hat.

Es gibt noch eine weiter Art von Transhumanisten: Sie wissen auch, dass dies kein Plan ist, sondern eine nicht zu verhindernde logische Entwicklung. Sie machen sich aber Sorgen um die möglichen Folgen. DAS kann ich verstehen und das ist etwas Anderes als pure Panik irgendwelcher Dumpfbacken. Diese Leute haben oft realistische Visionen von Problemen, die wir lösen sollten. Wir sollten extrem gut zuhören, damit die Entwicklung so lustig bleibt wie sie ist …. have fun!

Eine ausgewogene Sichtweise zusammen mit einem Eindruck, wo wir in dieser Entwicklung stehen, zeigt diese DOKU, die sich mit Unsterblichkeit als Folge dieser Entwicklung auseinandersetzt:

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Neues aus dem Thingiverse


InMoov open source humanoid aus dem 3D Drucker

Wie ich schon in frühereren 3D Drucker Berichten angedeutet hatte, „schwappt“ die Open Source Scene nun auf die Produktion von Dingen und technologischer Hardware über und beschleunigt diese. Die Entwicklung des  Open Source InMoov Humanoiden, den jeder mit einem 3D Drucker nachbauen kann und darf, kann man auf der Webseite des Projektes mitverfolgen:

http://www.inmoov.fr/

Einen Eindruck, was die Macht von Open Source ausmacht, bekommt man, wenn man sich anschaut, was um das Projekt herum geschieht. Man wird Zeuge, wie Inovationen, in einer irrsinnigen Geschwindigkeit, wie Pilze aus dem Boden schiessen. Beste Adresse dafür hier:

http://www.thingiverse.com/tag:inmoov

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SIM (Substrate-Independent Minds)


Seit ich mich aktiv im Singularity Movement rumtreibe, komme ich mit vielen Konzepten, um das eigene Leben, oder treffender: die eigene Existenz zu verlängern, in Kontakt. Dabei favorisiere ich im Großen und Ganzen das Konzept der biologischen Verbesserung, des eigenen, natürlichen Körpers. Dort gibt es auch aktuell irre Fortschritte. Vieles kommt aus der explosionsartig wachsenen, jungen BioTech und Gene-Hacker Szene.  Bei Konzepten, bei denen man versucht, den eigenen Hirn(wellenreiter)-Inhalt in eine andere Hülle, sei es eine Bio-Tech-Kopie, eine semi-biologische oder gar ganz künstliche Hülle zu übertragen, bin ich eher misstrauisch. Ich bin mir nicht sicher, ob meine „Daten“ wirklich 100% von „Mir“ sind, oder am Ende doch nur eine tote Kopie meines Selbst entsteht. Ich bin da eben eher altmodisch :-).  Toll, wie sich  Biotech und Philosophie plötzlich auf dem gleichen „Parkett“ wiederfinden, was? Trotzdem verfolge ich die Entwicklungen auf diesem Gebiet mit Spannung. Wenn es wider Erwarten  mal mit dem „guten alten Biokörper“  bergab gehen sollte, bin ich ja vielleicht trotzdem ganz dankbar für ein „Backup“ …  😉 .

Das Movement rund um das Substrate-Independent Minds Projekt hat jedoch von einem anderem Blickwinkel aus, mehr Sinn, als man zu Glauben mag:  Ein Wissenschaftler muss erstmal zwei Drittel seines aktiven Lebens lernen, um dann weniger als ein Drittel seines Lebens aktiv zu Forschen. Danach stirbt er und nimmt alles, was er nicht publizieren konnte, mit ins Grab. Dieses Wissen zu extrahieren und irgend wann vielleicht sogar „Importieren“ zu können, wäre eine Art „Warp-Antrieb“ für die menschliche Wissenschaft.

Davon, dass es sich bei meinen Überlegungen nicht nur um schnöden Nerd-Core  handelt, kann man sich bei der Rede von Randal A Koene ( www.randalkoene.com ) überzeugen: